Laborbefund: Einweiß im Harn - was bedeutet das ?

in Laborbefund, der oft Fragen aufwirft, ist der Nachweis von Eiweiß im Urin – medizinisch Proteinurie genannt. Was bedeutet das und warum ist es wichtig, es zu verstehen?

Was ist Proteinurie?

Unsere Nieren sind die wichtigsten Filter unseres Körpers. Ihre Aufgabe ist es, Abfallprodukte aus dem Blut zu entfernen und wertvolle Stoffe, wie z.B. Eiweiße (Proteine), im Körper zu behalten. Normalerweise sind die winzigen Poren dieser Filter so klein, dass sie die größeren Eiweißmoleküle zurückhalten. Wenn die Nierenfilter jedoch beschädigt sind, werden diese Poren undicht. Als Folge gelangen Proteine, die eigentlich im Blut bleiben sollten, in den Urin. Man spricht dann von „Eiweiß im Urin“ oder Proteinurie.

Wann hat man Proteinurie?

Eine Proteinurie hat oft keine spürbaren Symptome. Manchmal kann sich der Urin schaumig verfärben, aber in der Regel wird sie zufällig bei einer Routineuntersuchung mit einem Urin-Teststreifen oder im Labor festgestellt.
Eine vorübergehende, harmlose Proteinurie kann auftreten bei:
  • Fieber oder starken Infektionen
  • Extremer körperlicher Anstrengung
  • Dehydrierung
Wenn die Proteinurie jedoch bei mehreren Messungen über einen längeren Zeitraum besteht, ist dies ein ernstes Signal für eine chronische Nierenschädigung.
Die häufigsten chronischen Ursachen sind:
  • Bluthochdruck (arterielle Hypertonie)
  • Diabetes mellitus
  • Adipositas (starkes Übergewicht)
  • Verschiedene Nierenerkrankungen wie die Glomerulonephritis

Was sind die Folgen der Proteinurie?

Viele Patienten denken, Proteinurie sei nur ein Zeichen für ein Nierenproblem. Tatsächlich ist sie aber viel mehr als das: Die Proteine  sind selbst ein Treiber der Krankheit. Sie schädigen die Nierenfilter weiter und beschleunigen den Funktionsverlust.
Daher ist eine andauernde Proteinurie nicht nur ein Zeichen für eine Nierenkrankheit, sondern auch ein starker, unabhängiger Risikofaktor für:
  • Das Fortschreiten der Nierenerkrankung bis hin zum Nierenversagen.
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie Herzinfarkt und Schlaganfall. Studien zeigen, dass eine Proteinurie ein höheres Risiko für diese Ereignisse darstellt als hohe Cholesterinwerte.

Was tun bei Proteinurie?

Wenn bei Ihnen Eiweiß im Urin festgestellt wurde, ist das kein Grund zur Panik, aber ein klarer Grund zum Handeln. Wir empfehlen:
  1. Professionelle Abklärung: Eine genaue Diagnose ist entscheidend. Wir führen weitere Laboruntersuchungen und Ultraschall der Nieren durch, um die Ursache zu finden.
  2. Gezielte Behandlung: Ziel ist es, die Ursache zu beheben und die Proteinurie zu reduzieren.
    • Medikamente: Spezifische Medikamente wie ACE-Hemmer oder Sartane können den Druck in den Nierenfiltern senken und die Eiweißausscheidung reduzieren. Seit einigen Jahren gibt es auch SGLT2-Hemmer die eine Proteinurie reduzieren und die Nierenfunktion schützen. 
    • Therapie der Grunderkrankung: Eine konsequente Einstellung von Blutdruck und Blutzucker sowie eine Gewichtsabnahme sind die wichtigsten Schritte, um die Nieren zu schützen. Der Blutdruck sollte unter 130/80 sein da eine erhöhter Blutdruck noch mehr Proteine durch den Filter drückt.
    • Ernährung: Eine angepasste, salzarme und eiweißkontrollierte Ernährung kann ebenfalls helfen.
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Eine frühe und konsequente Behandlung kann die Nierenschädigung verlangsamen und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken.
Wenn Sie weitere Fragen haben oder eine Abklärung wünschen, zögern Sie nicht, unsere Praxis zu kontaktieren.